Buchbesprechung: Körperschmerz-Seelenschmerz
Sonntag, 10. Januar 2010Mir fallen immer wieder Bücher in die Hände, von denen ich denke, dass sie auch den ein oder anderen meiner Patienten interessieren könnten, deswegen möchte ich gelegentlich in diesem Rahmen ein Buch vorstellen.
Kürzlich habe ich “Körperschmerz-Seelenschmerz” von
Dr. med. Hildegund Heinl und Dr. med. Peter Heinl gelesen, oder besser:
verschlungen. In dem Buch geht es überwiegend um seelische Ursachen von
körperlichen Schmerzen, die häufig dann mit normalen orthopädischen oder
physiotherapeutischen Methoden nicht wegzubekommen sind. Die Autoren führen aus, wie sie im Laufe ihrer Tätigkeit durch die Konfrontation mit psychosomatischen Beschwerdebildern in der orthopädischen Praxis zu einem tieferen Verständnis solcher Problematiken gekommen sind und wie sich eine systematische Arbeitsweise in diesen Fällen herauskristallisiert hat. Zahlreiche Fallbeispiele veranschaulichen die Problematik und die Therapiemethoden der Autoren werden beschrieben. Die Geschichten der Patienten werden so dargelegt, dass die Zusammenhänge auch für den Leser deutlich werden.
Beispielhaft für psychosomatische Beschwerden und ihre Ursachen wird eindrucksvoll der Fall eines Mannes dargestellt, der seit seiner Entlassung aus der sibirischen Kriegsgefangenschaft 25 Jahre vorher unerträgliche und mit herkömmlichen orthopädischen und physiotherapeutischen Maßnahmen nicht therapierbare Rücken- und Gliederschmerzen hatte. Es wurden aufdeckende psychotherapeutische Gespräche begonnen, die nach kurzer Zeit durch Wärmeanwendungen ergänzt wurden, da offenbar Kälteerlebnisse und Schmerzerlebnisse in enger Verbindung standen. Durch die psychotherapeutische Technik des katathymen Bilderlebens wurde weiter mit Wärme-/Kälteeindrücken gearbeitet. Dem Patienten ging es nach kurzer Zeit besser und auch drei Jahre nach der Behandlung ging es ihm gut.
Dieser und auch weitere Fälle führen sehr anschaulich und einleuchtend vor Augen, dass in manchen Fällen andere als die klassisch verwendeten Methoden hilfreich sein können, gerade wenn es um so genannte „therapieresistente“ Patienten geht. Ein Blick über den eigenen therapeutischen Tellerrand lohnt sich.
FAZIT: In meinen Augen liefert das Buch einen ganz wichtigen Beitrag, wenn es darum geht, der Ursache von chronischen Schmerzen auf die Schliche zu kommen und ist sicherlich sowohl für Therapeuten und Betroffene, sowie auch für andere Interessierte eine spannende Lektüre.
